Aal

Vom „Brotfisch“ an den Rand des Aussterbens

Bis weit ins 20. Jahrhundert war der Europäische Aal (Anguilla anguilla) eine der häufigsten und wirtschaftlich bedeutendsten Fischarten in Niedersachsen.
Um 1980 sind die Bestände in Europa Jahr für Jahr drastisch eingebrochen; bei den Glasaalen (Jungaale) in den Ästuaren um mehr als 90%!

Stauwehre verhindern den Aufstieg der Glasaale in die Flüsse.
Wasserkraftanlagen schädigen in großer Zahl abwandernde Aale (im Wesergebiet mind. 20 % aller laichfähigen Aale).
Naturferner Gewässerausbau und Flussbegradigungen haben viele Aal-Lebensräume vernichtet.
Krankheiten und Parasiten (v. a. Aal–herpes–Virus und Schwimmblasenwurm) sowie Schadstoffe (Dioxine u. a.) tragen ebenfalls dazu bei.
Dazu kommt der Fraßdruck der enorm gestiegenen Kormoranbestände.

Weitere Gründe für den Bestandsrückgang:
Milliarden Glasaale wurden Jahr für Jahr als Delikatesse nach Asien exportiert - bis zum Ausfuhrverbot der EU im Jahr 2011.
Experten mutmaßen, dass Änderungen im Verlauf des Golfstroms dazu führen, dass die darin driftenden Aal-Larven in deutlich geringerer Zahl die Küsten Europas erreichen.

Maßnahmen zur Stützung der heimischen Aalbestände

Um den Aal als Teil der heimischen Artenvielfalt und in einer nachhaltig nutzbaren Populationsgröße zu erhalten, investieren Niedersachsens Angelvereine Jahr für Jahr mehrere Hunderttausend Euro in Besatzmaßnahmen, die im Rahmen der "Aalbesatzförderung" mit Mitteln des Landes Niedersachsen und der EU unterstützt werden.

Von der Sargassosee nach Niedersachsen – und wieder zurück

Der Aal durchläuft einen der faszinierendsten Lebenszyklen aller heimischen Fischarten:

Die europäischen Aale laichen in über 200 m Tiefe in der Sargassosee vor der amerikanischen Ostküste. Nach dem Schlupf driften die Aallarven (Weidenblatt-Stadium) im Golfstrom bis an die Küsten Europas. Als ein- bis dreijährige so genannte Glasaale steigen sie in großen Schwärmen in Flüsse und Bäche auf.
In den folgenden 5-20 Jahren führen sie als "Gelbaale" ein Leben im Verborgenen. Dank ihres hervorragenden Geruchssinns finden sie in völliger Dunkelheit selbst gut versteckte Beute. Mit Eintreten der Geschlechtsreife wandern die Tiere als "Blankaale" zurück an ihren Tausende Kilometer entfernten Geburtsort in der Sargassosee und sterben nach der Eiablage.
Trotz intensiver Forschung ist es bis heute nicht gelungen, Aale in Gefangenschaft kommerziell zu vermehren, um so Besatzfische zu produzieren.