AVN-Artenschutzprojekt Edelkrebs

Auf der AVN-Teichanlage vermehren wir einen der letzten Wildstämme des Edelkrebses (Astacus astacus) aus Niedersachsen. Bei den AVN Edelkrebsen handelt es sich um Nachzuchttiere von Wildfängen, die 1992 aus einer lokalen Restpopulation im südniedersächsischen Bergland mit Zustimmung der Behörden zur Sicherung der genetischen Ressource entnommen wurden.

Ende des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich mit der Freisetzung von nordamerikanischen Signal- (Pacifastacus leniusculus) und Kamberkrebsen (Faxionius limosus) die Erreger der Krebspest in Deutschland und ganz Europa.
Während die amerikanischen Flusskrebsarten gegen die Sporen des Pseudopilzes immun sind, verenden ganze Populationen des heimischen Edelkrebses innerhalb weniger Wochen an der Krankheit. Seither gilt der Edelkrebs in Deutschland und Niedersachsen als “vom Aussterben bedroht” (Rote Liste 1).
Unten erfahren Sie mehr über die gepanzerten Raritäten und Neubürger in unseren Gewässern.

Projektleiter: Dr. Matthias Emmrich (m.emmrich@av-nds.de)

In Kooperation mit Forschungsprojekten wie “MaNaKa” und Instituten wie der Universität Koblenz-Landau suchen wir landesweit nach geeigneten Gewässern, um den Edelkrebs wieder anzusiedeln. Sie wollen die vom Aussterben bedrohte Art in ihrem Gewässern ansiedeln und somit aktiven Artenschutz betrieben? Sprechen sie uns an! Wir überprüfen gerne, ob sich ihr Gewässer als Lebensraum für die vom Aussterben bedrohte Art eignet.

Die Abgabe der Krebse erfolgt an Angelvereine, Privatpersonen (Teichbesitzer), Fischereigenossenschaften und Naturschutzbehörden.

Wenn Sie ein passendes Gewässer für den Edelkrebs kennen, können wir ein- oder zweisömmrige Jungkrebse aus unserer eigenen Zucht in Ihr Gewässer setzen. Dank der Förderung durch die BINGO-Umweltstiftung konnten in der Vergangenheit so schon einige Ansiedlungsprojekte realisiert werden, etwa in Gewässern des Fischereiverein Einbeck, ASV Luthe und AV Garbsen.

Edelkrebse wieder ansiedeln – aber wie?
Als Kooperationspartner des Alfred-Wegener Instituts haben wir im Rahmen des MaNaKa-Projektes einen Leitfaden entwickelt für Vereine, Gemeinden und Behörden, die eine Wiederansiedlung planen.
Den Leitfaden kann man hier herunterladen – super informativ, lohnt sich!

Nicht-heimische Flusskrebse und Krabben in Niedersachsen
Neben dem Edelkrebs kommen aktuell fünf weitere, nicht heimische Flusskrebse und die Wollhandkrabbe in Niedersachsen vor.
Sie gehören zu den Neozoen, nicht-heimischen Arten, die sich in unserer Gewässerfauna etabliert haben und erfolgreich vermehren.
Die Nordamerikanischen Flusskrebse und die Wollhandkrabbe gelten als “invasive” oder gar “hoch invasive” Arten, da sie allesamt potentielle Überträger der Krebspest sind. Ihr Vorkommen führt häufig zur Vernichtung der Edelkrebsbestände und beeinträchtigt andere heimische Arten, etwa durch Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum. Nachfolgend finden Sie Artinformationen über unsere fremden Krebstiere in Niedersachsen.

aus Nordamerika
Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus)
Kamberkrebs (Faxionius limosus)
Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii)
Marmorkrebs (Procambarus fallax f. virginalis)

aus Ost-Südosteuropa
Galizischer Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus)

aus Asien
Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis)