Aktuelles

13.12.2018

Spätfolgen der Hitze?

Seit Tagen erreichen uns Meldungen über Fischsterben in Graben- und Kanalsystemen in den Landkreisen Stade und Cuxhaven.

Auf Nachfrage des AVN beim Umweltamt des Landkreis Stade gibt es nun ein wenig Klarheit zu den Ursachen für die Fischsterben:

Nach Angaben des Landkreises Stade, der sich auch  mit dem Landkreis Cuxhaven ausgetauscht hat, ist es durch die relativ starken Niederschläge der letzten Tage in einigen Gewässersystemen zu einem starken Zufluss v.a. aus entwässerten, dränierten Moorgebieten gekommen.
Das hat dazu geführt, dass es stellenweise zu einer dramatischen Absenkung der pH-Werte auf 3-4, einer massiven Absenkung des Säurebindungsvermögens und zugleich zu einer starken Aufkonzentrierung von Sulfat und Eisen-II gekommen ist. Diese toxische Mischung hat stellenweise zu den starken Fischsterben geführt.

Das wurde v. a. dadurch begünstigt, dass die aufgrund der langen Dürre trockenen Marschenböden den Niederschlag weitgehend aufgesogen haben und bisher kaum Wasser in die Gräben und Dränagen abgegeben haben. Dieser aufgrund stabiler pH-Werte gewässergünstige Zufluss aus den Marschenböden wäre zur Abpufferung der niedrigen pH-Werte sehr wichtig gewesen.

Gegenmaßnahmen, wie z. B. eine Aufkalkung der Gewässer, sind leider kaum machbar und würden durch die schlagartige Änderung des Gewässerchemismus vermutlich auch den noch verbliebenen Arten den Garaus machen.  Daher bleibt uns leider wohl nur die Hoffnung auf ergiebige Niederschläge.

In einem Grabensystem hat der Landkreis Stade als Notmaßnahme eine Zuleitung von Wasser aus der Schwinge veranlasst, das zu einer Erhöhung des Säurebindungsvermögens und zu einer Stabilisierung der pH-Werte führen soll.

Während es in den trockenen Sommermonaten unerwarteter Weise landesweit kaum zu größeren Fischsterben gekommen ist, zeigen sich nun ebenso unerwartet die verzögerten Folgen der extremen Dürre des Jahres 2018.

Wir werden die Entwicklungen in Nordniedersachsen weiter verfolgen und Sie informieren.

FMO 150522 114648 2

Foto: F. Möllers / AVN