Flusskrebse im Wald: Hildesheimer Angler und Landesforsten im Einsatz für bedrohte Edelkrebse
27 October 2026

Pressemitteilung, Hannover, den 27.10.2026  | In einem Forst zwischen Hildesheim und Wolfenbüttel gibt es neben Rehen und Wildschweinen seit dem 1. Oktober eine weitere Wildtierart: Edelkrebse. Die beeindruckenden Scherenträger mit dem lateinischen Artnamen Astacus astacus sind vom Aussterben bedroht und haben nur noch in abgeschiedenen Gewässern eine Überlebenschance. Im Schulterschluss brachten darum Vertreterinnen und Vertreter der Niedersächsischen Landesforsten, des Sportfischervereins Hildesheims und des Anglerverbands Niedersachsen (AVN) 300 junge Edelkrebse in einen Waldweiher aus. Unterstützt wird das Vorhaben von der Unteren Naturschutzbehörde, eine großzügige Förderung übernahm die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung.

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Die letzten ihrer Art
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„Wenn das hier gelingt, haben wir einen Fingerabdruck hinterlassen“, erklären Peter und Gabriele Karbus ihre Motivation, sich für den Erhalt unserer größten heimischen Flusskrebse einzusetzen. Das Ehepaar ist im Vorstand des Sportfischereivereins Hildesheim aktiv und hat die Aktion gemeinsam mit der Forstamtsleitung in Liebenburg, ins Rollen gebracht. In mit Heu ausgepolsterten Styroporkisten haben die Angler ihre besondere Fracht transportiert: 200 wuselige Edelkrebse, die diesen Sommer geschlüpft sind, und 100 weitere aus dem Vorjahr. Sie gehören zu den letzten ihrer Art. Denn die Großkrebse (ausgewachsen können sie bis zu 20 Zentimeter lang werden) wurden durch invasive, nicht heimische Krebsarten aus unseren Gewässern verdrängt. Die noch wenige Zentimeter kleinen Jungtiere kommen aus der AVN-Station für Krebs- und Fischartenschutz. Hier schützt und vermehrt der Anglerverband Niedersachsen den letzten Edelkrebsstamm aus dem Wesereinzugsgebiet. Die Nachkommen werden meist an engagierte Angelvereine verkauft, die die streng geschützten Tiere zum Arterhalt in geeignete Gewässer ausbringen.

Lebensräume sind Mangelware

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Gewässer sind dann geeignet, wenn die „Wohlfühlbedingungen“ (wie der Sauerstoffgehalt) stimmen und keine Anbindung an mit der Krebspest verseuchte Bäche, Flüsse oder Seen besteht. Die Krebspest ist eine durch einen für Edelkrebse tödlichen, hochinfektiösen Erreger verursachte Krankheit, der über nicht heimische Arten, wie Signalkrebse, Marmorkrebse oder Kamberkrebse übertragen wird. Da diese sich gerade invasiv in der Wildbahn vermehren, sind die Refugien für unseren größten heimischen Flusskrebs extrem rar geworden.

Hand in Hand für die gepanzerten „Edelritter“

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Die Niedersächsische Landesforsten haben das Problem erkannt und einen vielversprechenden Waldweiher als Edelkrebsquartier zur Verfügung gestellt. Bei der Besatzaktion am 1. Oktober packten die Försterinnen und Förster tatkräftig mit an. Entwickelt sich die Brut dort gut, werden im nächsten Jahr weitere Edelkrebse folgen.

Was können Einzelne tun?

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Wer sich nun fragt, was man selbst zum Schutz der beeindruckenden Tiere tun kann, dem rät der AVN-Biologe Helmut Speckmann dringend davon ab, Krebsbesatz ohne professionelle Unterstützung durchzuführen: „Es passiert leider immer wieder, dass durch falsch verstandene Tierliebe oder mangels Artenkenntnis invasive Flusskrebse aus privaten Aquarien, Gartenteichen oder Zoohandlungen in der Natur landen – mit fatalen Folgen.“ Wer meint, ein geeignetes Gewässer für Edelkrebse zu besitzen oder Fragen zum eigenen Krebsbestand hat, kann sich mit dem Fachkollegium des AVN unter „www.av-nds.de“ in Verbindung setzen.

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