
Pressemitteilung Hannover, den 13.10.2026 | Der Anglerverband Niedersachsen (AVN) hat eine ehemalige Forellenteichanlage in Neustadt am Rübenberge gekauft, um dort bedrohte Fisch- und Krebsarten zu züchten. In der Vergangenheit hat der Fischerei- und Naturschutzverband dort bereits als Pächter Quappen (gefährdete Raubfische) und vom Aussterben bedrohte Edelkrebse vermehrt. Nun hat der AVN die gesamte Anlage übernommen und lotet gerade die Möglichkeiten aus, auch für den Erhalt weiterer Fischarten zu sorgen. Am 9. Oktober erfolgte die feierliche Schlüsselübergabe durch den ehemaligen Eigentümer Steffen Göckemeyer. Als künftiger Naturparkpartner vom Steinhuder Meer unterzeichneten AVN-Präsident Werner Klasing und Naturpark-Geschäftsführerin Doreen Juffa zudem einen gemeinsamen Kodex. Ortsbürgermeisterin Monika Strecker eröffnete die anschließende Einweihungsfeier mit den Worten: „Ihr Verband steht für Gemeinschaft, Naturverbundenheit und die Freude am Angeln.“
Der Edelkrebs ist der größte heimische Flusskrebs. Die Quappe ist ein nachtaktiver Raubfisch, der mehrere hunderttausend Eier pro Jahr legen kann und somit ein echter Megalaicher ist. Doch mit Eingriffen des Menschen in Natur und Umwelt nützen beiden Arten ihre Superkräfte nur noch wenig: Während die kälteliebende Quappe aus unseren Flusslandschaften mehr und mehr verschwindet, ist der Edelkrebs sogar vom Aussterben bedroht. Diesen Zustand wollen Niedersachsens Anglerinnen und Angler nicht einfach so hinnehmen. Mithilfe seiner mehr als 300 Mitgliedsangelvereine betreibt der AVN seit rund 10 Jahren ein eigenes professionelles Artenschutzprogramm mit niedersachsenweiter Strahlkraft. Mit dem Kauf der Anlage kann dieses nun auf eine nächste Stufe gehoben werden. „Wir hoffen, dass es uns gelingt, hier künftig auch andere bedrohte Fischarten wie den Schlammpeitzger oder die Karausche nachzuzüchten“, erklärt AVN-Biologe Helmut Speckmann. Auch die Möglichkeiten für Umweltbildungsmaßnahmen werden derzeit austariert.
Wildlebende Tiere nachzuzüchten erfordert viele Kenntnisse und Erfahrung. Der AVN hat den Bogen dafür mittlerweile raus: Im Jahr 2025 konnte das Team 950 Nachkommen der Edelkrebse gewinnen und 150.000 junge Quappen. Das sind gute Zahlen für den Arterhalt. Auch haben Wiederfänge von Quappen in Wümme, Große Aue, Mittellandkanal, Hase und Hunte bewiesen, dass das Artenschutzprogramm – das aus Nachzucht und Besatz besteht – funktioniert.
Bei der feierlichen Eröffnung setzte der neue Besitzer ganz auf Regionalität: Lokale Caterer, Gäste aus dem Dorf sowie regionale Angelvereine, Politiker und Netzwerkpartner standen auf der Gäste- und Helferliste. Das Programm bot spannende Infos für Groß und Klein. „Wir möchten hier wirklich alle mitnehmen und von unserer Arbeit begeistern“, erklärt Speckmann. Der Fischereibiologe ergänzt: „Außerdem sind auch unsere Tiere eine einzigartige lokalgenetische Ressource.“ Tatsächlich schützt und vermehrt der AVN den letzten existierenden Edelkrebsstamm aus dem Wesereinzugsgebiet. Mithilfe von Angelvereinen werden geeignete Gewässer gesucht, in die die Nachkommen ausgebracht werden können. Ganz ähnlich bei der Quappe. Hier werden Elterntiere im Wesereinzugsgebiet gefangen, unter optimalen Bedingungen vermehrt und die Nachkommen ebenfalls mit Hilfe von Angelvereinen wieder dort ausgebracht. „Damit wird erst einmal kompensiert, dass die Kinderstuben der faszinierenden Raubfische durch die Zerstörung unserer Flussauen vernichtet wurden. Zur Ursachenbekämpfung setzt unser Verband sich aber auch für die Renaturierungen von Gewässern ein“, führt Speckmann aus. Sollten künftig Mittel für Umweltbildung eingeworben werden können, wäre es ein Ziel, diese Zusammenhänge der Bevölkerung noch näherzubringen.