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Valentinstag bei den Quappen: 2 Millionen Eier für den Arterhalt einer bedrohten Fischart

Pünktlich zum baldigen Valentinstag haben unsere Elterntier-Quappen erfolgreich abgelaicht. In unserer „AVN-Honeymoon-Suite“ haben mehrere Exemplare der bedrohten Artvertreter mehr als zwei Millionen Eier abgelegt. Der Anglerverband Niedersachsen e.V. (AVN) züchtet seit rund 10 Jahren den faszinierenden Raubfisch nach, um sein Aussterben hierzulande zu verhindern. Auf diesem Video seht Ihr drei sogenannte Zugergläser, in denen wir unsere Quappeneier erbrüten.

Woher wissen wir die Anzahl der Eier?

Um die Stückzahl zu bestimmen, wird der Quappenlaich in einen Messbecher gefüllt und die Anzahl der Liter mit dem Faktor 0,8 multipliziert. 1 Liter Quappenlaich entspricht also in etwa 800.000 der ca. 1 mm winzigen Eier.

Was passiert mit den Eiern?

In den Zugergläsern werden die Eier in Bewegung gehalten und optimal mit Sauerstoff versorgt. Hieraus werden in gut einem Monat dann viele kleine Larven der Roten-Liste-Art schlüpfen. Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist Temperaturabhängig. In der Quappenzucht des AVN werden die Quappeneier bei einer konstanten Wassertemperatur von 4°C erbrütet. Von der Eiablage bis zum Schlupf der kleinen Quappenlarven dauert es in etwa 30 bis 35 Tage (120 – 140 Tagesgrade).

Ist diese Art der Nachzucht nicht irgendwie „unromantisch“?

Bei unserem Artenschutzprogramm Quappe wird auf eine Technologie gestützte naturnahe Nachzucht gesetzt. Was auf den ersten Blick wie ein Gegensatz klingt, ist beim näheren Hinschauen ein guter Weg, um widerstandsfähige Nachkommen in ausreichender Anzahl und mit Hilfe weniger Elterntiere heranzuziehen. Insbesondere die Erbrütung der Larven, von der Eiablage bis zum Schlupf, findet in einer technischen Erbrütungseinrichtung statt. Sobald die Larven schwimm- und fressfähig sind, werden sie in naturnahe Teiche zur weiteren Aufzucht umgesetzt oder als Brütlinge in geeignete Besatzgewässer ausgewildert.

„Parship“ für bedrohte Quappen: So geht‘s

Die Hauptlaichzeit für die Niedersächsischen Quappen ist zwischen Januar und Februar. Während die Wassertemperaturen sinken, kommt langsam Paarungsstimmung bei den kaltwasserliebenden Fischen auf. AVN-Biologe Helmut Speckmann erkennt dies am unruhigen Verhalten der scheuen und nachtaktiven Tiere. Täglich wird in dieser Zeit das Laichbecken inspiziert, um zu schauen, ob es über Nacht zu einer erfolgreichen Ablage der winzigen Eier gekommen ist.

Zugergläser unterstützen „R-Strategen“

In den geschützten Laichbecken paaren sich „Mama und Papa Quappe“ auf natürlichem Wege. Der gelbliche Laich wird abgeschöpft und anschließend in die Zugergläser der Erbrütungsanlage gefüllt. Dort werden unter besten Bedingungen maximal viele Nachkommen erbrütet. Dieses technische Hilfsmittel ist mit Blick auf den Gefährdungsgrad der Quappe absolut sinnvoll. Denn die Fischart zählt zu den sogenannten R-Strategen. Diese weisen eine sehr hohe Reproduktionsrate auf und produzieren einen Überschuss an Nachkommen, betreiben jedoch keine Brutpflege. Quappendamen können zwar bis zu maximal 700.000 Eier pro kg Körpergewicht ablegen, in der Natur würde sich jedoch nur ein winziger Bruchteil zu überlebensfähigen Larven entwickeln. Da es nur noch wenige Quappen gibt, ist der Laich einfach zu kostbar, um ihn auf diese Weise zu „verschwenden“. Stattdessen wird mit der Hilfe von vergleichsweise wenigen Elterntieren, eine ganze Generation von auswilderungsfähigen Nachkommen erbrütet.

Ab in die Freiheit!

Nach dem Schlupf zehren die kleinen Larven noch einige Tage von ihrem Dottersack, bis sie endlich schwimm- und fressfähig sind. An dieser Stelle endet das „Verwöhnprogramm“. Ein Teil der Mini-Quappen wird bereits jetzt in die Freiheit entlassen. Der andere Teil wird in naturnah gestalteten Aufzuchtteichen unter extensiven Bedingungen weiter großgezogen. Künstliches Fischfutter gibt es hier nicht. Die angehenden Raubfische müssen sich ihre natürlich vorkommende Nahrung selbst erbeuten. Ab einer Größe von 3-6 cm könne die Jungquappen ab ca. mitte Mai von engagierten Angelvereinen in geeignete Gewässer rund um die Weser besetzt werden. Hier können sie dann zu stattlichen Exemplaren heranwachsen. In Ausnahmefällen können die Raubfische eine Körperlänge von bis zu 90 cm erreichen. Den Beleg, dass die Wiederansiedlungsbemühungen fruchten, liefern Wiederfänge, auch in Gewässern, in denen die Quappen als ausgestorben galten oder extrem selten geworden sind.

Ohne Angler keine Quappen

Angler werden vielerorts als Naturstörer wahrgenommen. Doch sind es gerade Angelvereine, denen der Schutz heimischer Fische am Herzen liegt und die mit viel Engagement und privaten Geldern Programme wie das AVN Artenschutzprogramm Quappe am Laufen halten. An dieser Stelle sei den unterstützenden Angelvereinen ganz herzlich für ihren Einsatz gedankt! Ohne diese Anglerinnen und Angler wäre unser einziger heimischer Süßwasserdorsch wohl schon längst aus unseren Gewässern verschwunden.

Quappen erleben

Übrigens: Bei der diesjährigen Messe „Faszination Angeln“ vom 24.-25. Februar in Lingen ist der AVN schwerpunktmäßig mit dem Thema Quappe vertreten. Kommt uns besuchen, schaut Euch ein echtes Quappen-Exponat an und erhaltet spannende Infos und Mitbringsel rund um die Quappe.

Mehr Quappen Videos anschauen

Unsere Elterntiere in Laichlaune: https://www.av-nds.de/es-ist-quappen-laichzeit/

Mehr zum AVN Artenschutzprojekt Quappe

https://www.av-nds.de/quappe/