
Überpopulation, Fisch-Massaker, Schwarze Pest…
Seit Wochen brodelt es in den Sozialen Medien beim Thema Kormoran. Reißerische Schlagzeilen und abenteuerliche Ansichten machen einen konstruktiven Diskurs oftmals nahezu unmöglich.
Nicht nur wir Angler, auch Tierliebhaber und Vogelfans sollten die Debatte um den Kormoran bitte mit der gebotenen Sachlichkeit führen.
Thema Kormoran – bei den Fakten bleiben!
Wenn Angler auf der einen Seite eine „politische Lösung“ des „Kormoran-Problems“ im Sinne eines europäischen Kormoran-Managements fordern und in Beiträgen immer noch davon schreiben, der Kormoran stamme aus China und sei eine invasive Art, müssen wir uns nicht wundern, wenn wir zu den Entscheidungsträgern nicht durchdringen.
Genauso wenig hilft es, wenn „Kormoran-Experten“ auf Seiten des Vogelschutzes nach wie vor behaupten, der tägliche Nahrungsbedarf von 500 g / Vogel sei überzogen, der Kormoran fresse überwiegend „unbedeutende Massenfische“ und Schäden an lokalen Fischpopulationen wie der Äsche seien vielleicht in anderen Ländern ein Problem, aber doch nicht in Deutschland.
AVN-Faktencheck Kormoran
Wer sich einen Überblick über den Kormoran verschaffen möchte, dem empfehlen wir gerne unseren AVN-Faktencheck Kormoran. Er ist gerade in diesen Tagen top-aktuell und hilft vielleicht, die hitzige Debatte wieder auf eine sachliche Ebene zu bringen.
Wer tiefer in die Materie einsteigen will, dem seien auch die Interviews ans Herz gelegt, die wir mit Wissenschaftlern aus den Niederlanden und Dänemark geführt haben.
Die Interviews findet ihr hier in unserer Infothek.
Kormoran-Ansammlungen – ist das normal?
Seit Wochen sind selbst tiefe Stillgewässer im Binnenland zugefroren. Dass Kormorane sich deshalb an eisfreien Stellen oder in der Nähe von Winterlagern von Fischen wie im Ostseeraum oder an der Havel in großer Zahl sammeln, ist nachvollziehbar und nichts „unnatürliches“. Aufgrund der milden Winter der vergangenen Jahre sind solche Konzentrationen von Kormoranen einfach so gut wie nie aufgetreten.
Nach den aktuellen Prognosen ist zu anzunehmen, dass viele Stillgewässer auch im Februar noch von Eis bedeckt sein werden.
Wir vermuten daher, dass sich die Lage für die Kormorane noch verschlechtern wird und die Kombination aus Nahrungsknappheit und ungewöhnlich hoher lokaler Dichte/Nähe einen negativen Einfluss auf den Gesamtbestand und den Bruterfolg in der bevorstehenden Saison haben wird.
Äschenbestände unter Druck
Gleichzeitig wird die Lage an einigen Fließgewässern in Niedersachsen immer besorgniserregender. Mitgliedsvereine des AVN pflegen einige der wertvollsten Äschenbestände in Norddeutschland. Eine Rote Liste Art, die nachweislich durch Kormoran-Prädation bereits erheblich dezimiert wurde. Die anhaltende Frostwetterlage präsentiert den Kormoranen die Äschen in Fließgewässern gerade auf dem Silbertablett. Und selbst wenige Vögel können über Wochen massive Schäden an Äschenpopulationen verursachen. Das liegt insbesondere am schlecht ausgeprägten Fluchtverhalten der Äsche und nicht etwa an fehlenden Strukturen in den Gewässern oder an einer schlechten Wasserqualität.
Im Einzugsgebiet der Leine und ihren Zuflüssen sind die Kormoran-Zahlen aktuell vergleichsweise überschaubar. Der Prädationsdruck durch die Unterwasserjäger hält aber seit Wochen an und wird sich mit Sicherheit erheblich auf die Laicherpopulation der Äschen auswirken.
Kormoran & Äsche
Deshalb hat der AVN bereits vor Jahren in Kooperation mit dem Fischereiverein Einbeck e.V. und der Universität Göttingen ein Artenhilfsprogramm für die Äsche gestartet. Mit großem Einsatz wurde ein Stamm von Elterntieren aus dem Leine-System aufgebaut, der an verschiedenen Standorten sicher über den Winter gebracht wird und mittlerweile etliche zehntausend Jungäschen für den Schutz und die Förderung der hoch bedrohten Art liefert.
Mehr dazu findet ihr auch auf der AVN-website und in unserem Flyer „Kormoran & Äsche“.
Was ist die Perspektive?
Der AVN unterstützt die Forderung nach einem europaweiten Kormoran-Management und einer damit einhergehenden Herabstufung des Schutzstatus des Kormorans. Eine in ganz Deutschland genehmigte Vergrämung und ein effektives Bestandsmanagement vor allem in großen Brutkolonien hätte nach unserer Einschätzung keinen negativen Effekt auf den Erhaltungszustand des Kormorans in Deutschland oder in Europa. Sie würde als eine Maßnahme von vielen aber maßgeblich dazu beitragen, Populationen gefährdeter Fischarten oder die so wichtigen Winterlager von Fischen noch besser schützen zu können.
In Niedersachsen hat der AVN nach jahrelanger Überzeugungsarbeit einen Runderlass als Ergänzung zur Niedersächsischen Kormoran Verordnung erwirkt. Der gestattet unter gewissen Voraussetzungen bspw. den Abschuss von Kormoranen an prioritären Fließgewässern in Niedersachsen in Schutzgebieten – darunter auch NATURA2000 und EU-Vogelschutzgebiete.
Lehnt die zuständige Naturschutzbehörde einen entsprechenden Antrag auf Vergrämung, ab, muss dies nachvollziehbar begründet werden.
Hier müssen Angler und Jäger Hand in Hand für den Fischschutz arbeiten. Nur der Jagdberechtigte kann den Antrag für eine Vergrämung einreichen. Deshalb sollten Vereinsvorsitzende auf ihre lokalen Jägerinnen und Jäger zugehen. Vielen Jägern ist die prekäre Gefährdungssituation für viele Fischarten durch den Kormoran gar nicht bewusst.
Wendet euch bei Fragen zur Kormoranvergrämung an das AVN-Team – wir unterstützen euch gerne bei der Antragstellung!
Kormoran – Bejagung unterstützt Fischartenschutz
An vielen Gewässern hat sich die Zusammenarbeit aber schon hervorragend bewährt.
Deshalb an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Jägerinnen und Jäger da draußen, die gerade bei Wind und Wetter unterwegs sind und auch Kormorane an unseren Gewässern bejagen – ihr tragt wesentlich zu einer Entspannung der Situation unter Wasser bei!
Vielleicht hat ja auch der eine oder andere schon entdeckt, wie lecker Kormoranbrust etwa aus dem Dutch Oven schmeckt.
Tausend Dank für eure Unterstützung!
In diesem Sinne: Immer schön sachlich bleiben!