KORMORAN 2: Erheblicher Fraßdruck auf junge Dorsche und Flundern

Kormorane - Prädationsdruck auf junge Dorsche und Flundern in der Ostsee

Überfischung, Lebensraumverlust, Eutrophierung und Chemische Verunreinigungen wurden bislang als Hauptgründe für den Populationsrückgang bei zahlreichen Fischarten in der westlichen Ostsee identifiziert. Seit einigen Jahren jedoch beobachten Wissenschaftler regional eine erhebliche Zunahme der Jungfischzahlen – etwa beim Dorsch und diversen Plattfischen, darunter auch der Flunder. Die vermehrte Zahl von Jungfischen führte aber noch nicht zu der erwarteten Zunahme der Laichfischbestände.

Welchen Einfluss haben Kormorane und Kegelrobben?

Forscher des DTU Aqua (National Institute of Aquatic Resources) vermuteten seit langem, dass Kegelrobben und Kormorane mit dafür verantwortlich sein könnten, dass die Jungfische nicht in die nächsten Größenklassen hineinwachsen, weil sie vorher gefressen werden.
Der Nachweis für eine solche Vermutung ist schwierig zu führen.
Für den Fraßdruck durch Kormorane gibt es nach der DTU-Aqua-Studie jetzt belastbare Daten aus der Genner Bugt.
2024 wurden in Dänemark 22.262 brütende Kormoranpaare gezählt in 57 Kolonien. Im Untersuchungsgebiet liegt die Kolonie Hopsø mit 410 Brutpaaren 2024.

Auf Spurensuche in der Kormorankolonie

Das DTU-Team markierte 2022 und 2024 insgesamt mehr als 5.400 Dorsche (11 – 38 cm) und Flundern (12 – 30cm) mit so genannten PIT Tags. Die 0,2 bzw. 0,6g leichten Sender werden den Fischen implantiert. Werden die Fische anschließend von einem Kormoran erbeutet, wird der PIT Tag zusammen mit anderen unverdaulichen Nahrungsresten am nächsten Morgen in einem Speiballen ausgewürgt – zwischen März und Juni nahezu ausschließlich in den Kormorankolonien, bevor die Vögel erneut zur Nahrungssuche aufbrechen.
In den Kolonien können die PIT Tags mit geeigneten Ortungsgeräten wiedergefunden und den gefressenen Fischen zugeordnet werden.

Mehr als 70% der Jungdorsche von Kormoranen gefressen

Gut 1.200 PIT Tags (22,7%) fanden die Forscher in Kolonien im Umkreis von 58 km. Die meisten in der nahegelegenen Kormorankolonie Hopsø.
Für die Jungdorsche entspricht das Fraßverlusten zwischen 52% (kleine Größen) und 88% (ab 15 cm Länge) und insgesamt von über 70%. Bei den Flundern waren es zwischen 14% (ab 19 cm) und 84% (kleine Längen), die von Kormoranen erbeutet wurden. Ab einer Größe von 22 cm sind Flundern für Kormorane schwer zu schlucken.

Es sei nicht klar, inwieweit die Daten aus dieser einen Studie übertragbar sind auf andere Gebiete der westlichen Ostsee, stellen die DTU-Forscher fest.
Sehr viele Fischereibetriebe in Dänemark haben in den letzten zehn Jahren ihren Betrieb aufgrund der extrem strengen Regularien für das Fischen eingestellt. Der erheblich reduzierte Befischungsdruck hätte bei gleichzeitig höheren Nachwuchsraten in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Laicherpopulation beim Dorsch und der Flunder führen müssen. Dass das nicht passiert, ist für die Autoren der Studie ein wichtiger Indikator dafür, dass der Druck der Prädation durch Kormorane als sehr bedeutsam eingestuft werden muss.

Hier geht’s zur Studie, die jetzt in der Augustausgabe von „Fisheries Research“ veröffentlicht wurde.