
Pressemitteilung, 03.02.2026 | Während viele von uns vom Schlittschuhlaufen träumen, ist das lang anhaltende Winterwetter in Niedersachsen für die Fische unter der Eisdecke ein knallharter Überlebenskampf. Vor allem flache, nährstoffreiche Stillgewässer leiden vielerorts unter Sauerstoffmangel. Denn eine geschlossene Eis- und Schneedecke verhindert den Lichteinfall und damit die Sauerstoffproduktion durch Wasserpflanzen. Tiere und Pflanzen ebenso wie Zersetzungsprozesse verbrauchen im Gewässer aber weiterhin Sauerstoff. Der Anglerverband Niedersachsen (AVN) klärt auf, woran man erste Anzeichen für ein „Winterfischsterben“ erkennt, was betroffene Angelvereine oder Gewässerbewirtschafter tun können und warum Schlittschuhlaufen für die Tiere zusätzlichen Stress bedeuten kann. Der neue Faktencheck mit dem Titel „Eiszeit – zugefrorene Gewässer, Sauerstoffmangel und Fischsterben: Ursachen, Gefahren und Empfehlungen für die Praxis“ kann auf der Homepage des Fischerei- und Naturschutzverbandes kostenlos heruntergeladen werden:
Was machen Fische im Winter?
Bei kaltem Wetter verfolgen unsere heimischen Fischarten faszinierende Strategien. Karpfen und Schleien beispielsweise reduzieren ihre Körperfunktionen auf ein Minimum und warten fast regungslos in tiefen Gewässerregionen auf wärmere Tage. Quappen hingegen sind kälteliebend und kommen erst bei einer Wassertemperatur ab vier Grad Celsius so richtig in Paarungslaune. Absolut beeindruckend sind Karauschen, deren Blut eine Art Frostschutzmittel beinhaltet, sodass sie sogar ein kurzfristiges Einfrieren in Tümpeln, Teichen oder Seen überleben können. Eine dauerhafte Eisdecke lässt aber auch die bemerkenswertesten Überlebenskünstler an ihre Grenzen stoßen. Das merkt derzeit der Anglerverband Niedersachsen (AVN), bei dem sich niedersachsenweit besorgte Angelvereine melden, die tote Fische unter den Eisschichten bemerken oder vermuten. Doch es gibt Maßnahmen, die Gewässerbewirtschafter gegen drohende Winterfischsterben unternehmen können. Regelmäßige Sauerstoffmessungen sind der erste Schritt. Das Öffnen der Eisdecke und eine Belüftung mit Sauerstoffpumpen können bei Sauerstoffmangel helfen. Doch gilt es bei allen Maßnahmen, möglichst störungsarm vorzugehen, denn unnötiger Stress erhöht den Sauerstoffbedarf der Fische. Auch sollten engagierte Fischretter selbst kein Risiko eingehen, im Eis einzubrechen. Was es alles zu beachten gilt, findet man in einem zur aktuellen Lage veröffentlichten Faktencheck des AVN:
Woran erkennt man, ob die Gewässervereisung für Fische kritisch wird?
AVN-Biologe Andreas Maday erklärt: „Typische Warnzeichen für akute Sauerstoffdefizite sind Fische, die sich im Bereich von Eisöffnungen sammeln und dort nach Luft schnappen. Bereits verendete Tiere unter dem Eis sind ein eindeutiges Signal.“ Dies zeigt laut dem Experten, dass die Sauerstoffversorgung des Gewässers nicht mehr gegeben ist. Kritisch kann es werden, wenn der Wert auf weniger als ein Milligramm Sauerstoff pro Liter sinkt. Dafür gibt es gleich mehrere Ursachen.
Wenn unter Wasser „das Licht ausgeht“
So genanntes Graueis ist trübe und lässt wenig Sonnenlicht durch. Dasselbe passiert, wenn klares Eis von Schnee bedeckt ist. Ohne Sonnenlicht können Pflanzen im Wasser aber keine Fotosynthese betreiben, es also nicht mehr mit Sauerstoff anreichern. Somit kann es gemäß dem Autorenteam tatsächlich helfen, Schnee oder das Eis über wasserpflanzenreichen flachen Gewässerbereichen zu entfernen.
Der Wind gewinnt
Wenn Winterwinde über das Wasser pusten, kommt Sauerstoff ins Wasser. Eis verhindert diesen natürlichen Prozess. Ein Tipp vom AVN-Mitarbeiter Maday: „Kleine Öffnungen in der Eisdecke ermöglichen den Gasaustausch mit der Atmosphäre.“ Am besten schafft man diese mit einer Motorsäge. Mehrere kleinere Öffnungen sind dabei günstiger als eine große. Auch dienen solche Öffnungen den Fischen als Atemlöcher. Alternativ kann auch eine künstliche Belüftung mittels Pumpen helfen.
Leise bitte!
Man glaubt es kaum, aber Fische hören Lärm und spüren Erschütterungen. Intensive Aktivitäten auf der Eisfläche erhöhen den Stress der ums Überleben kämpfenden Tiere und damit wiederum ihren Sauerstoffbedarf, so kann man es in dem Faktencheck nachlesen. Darum ist es wichtig, bei allen Maßnahmen möglichst wenig störend vorzugehen. Während Hammer und Axt am Eis viel Krach und Vibrationen hervorrufen, sind Motorsägen und Eisbohrer bessere Hilfsmittel. Aus dem gleichen Grund kann es fischfreundlich sein, auf das Schlittschuhfahren zu verzichten.
Toxische Teufelskreise unterbrechen
Konnte ein Winterfischsterben nicht verhindert werden, ist es gut, die Kadaver nach der Eisschmelze zügig aus dem Gewässer zu entfernen. „So kann man einen Teufelskreis abwenden“, erklärt Maday. Denn die toten Fische werden von Bakterien zersetzt, und dabei wird weiterer Sauerstoff verbraucht.
Sicherheit hat oberste Priorität
Der AVN warnt: „Bei allem Einsatz für die Fische geht der Eigenschutz vor.“ Eisflächen sind niemals vollständig sicher. Die Eisdicke kann stark variieren, und ein Einbruch bedeutet akute Lebensgefahr. Arbeiten sollten daher nur nach sorgfältiger Abwägung der Risiken, niemals allein und nur mit geeigneter Schutzausrüstung durchgeführt werden. Auch erinnert der Fischerei- und Naturschutzverband daran, alle Eisöffnungen deutlich zu kennzeichnen, damit Fremde nicht versehentlich hineingeraten.
Angelvereine leisten Akuthilfe und Vorsorge
Für alle Betroffenen hat der Anglerverband Niedersachsen einen Faktencheck kostenfrei zur Verfügung gestellt. Mitgliedsvereine können sich an das Team der Biologinnen und Biologen wenden. Auch wer vorsorgen will, ist willkommen, betonen die Fischereiwissenschaftler. Denn kritische Situationen können durch ein Gewässermonitoring frühzeitig erkannt und im Vorfeld verhindert werden. „Viele Angelvereine haben bereits richtige Schritte unternommen“, weiß Faktencheck-Autor Maday, und er ergänzt: „Auch hier zeigt sich einmal wieder, dass Angelvereine zum Schutz unserer Fischbestände und Gewässer aktiv sind – ehrenamtlich und mit großem Einsatz.“
Quelle
Maday, A., Emmrich, M., Möllers, F. (2026). AVN Faktencheck. Eiszeit – zugefrorene Gewässer, Sauerstoffmangel und Fischsterben: Ursachen und Empfehlungen für die Praxis. Anglerverband Niedersachsen e.V.
Download:
Tödliche Werte: In vielen zugefrorenen Gewässern liegt der Sauerstoffgehalt derzeit unter einem Milligramm pro Liter. © Matthias Emmrich (AVN)
Angler schaffen eine eisfreie Fläche in einem See im Landkreis Celle © Fischereiverein Eversen
Fischansammlung an einem Atemloch © Matthias Emmrich (AVN)