Eisiger Einsatz: Angelvereine mit dem AVN gegen das Winterfischsterben

Letzte Woche haben wir einen Faktencheck zum Thema Fische unter dem Eis veröffentlicht. Die Idee dazu kam nicht vom Schreibtisch, sondern direkt von Einsätzen in unseren Mitgliedsvereinen. In den letzten Wochen war das AVN-Team bei mehreren unserer Angelvereinen aktiv, um Sauerstoff unter dem Eis zu messen und erforderliche Maßnahmen gegen ein eventuelles Fischsterben zu besprechen. Montag hat solch eine Aktion in Freden (Leine) stattgefunden. Hier gab es allerdings Entwarnung. Ganz anders im Landkreis Celle und der Region Hannover: Hier wurden alle Register gezogen.

 

Freude in Freden

„Da habt Ihr uns mit Eurem Faktencheck aber ganz schön in Aufruhr gebracht“, so eröffnete Christoph Müller, Gewässerwart aus dem SAV Freden (Leine), letzte Woche ein Telefonat beim AVN. Untersucht wurde ein Vereinsteich von drei Metern. Waren die Fische aufgrund der Eisschicht darin in Gefahr? Nach den letzten Infos, die der Anglerverband herumgesendet hatte, war das nicht ganz unwahrscheinlich. Über ein eigenes Sauerstoffgerät verfügten die Fredener nicht. Das Eis war viel zu milchig, um Anzeichen für ein Fischsterben Unterwasser ausmachen zu können.

Wenige Tage später konnten die besorgten Angler dann aufatmen: AVN-Biologe Jesse Theilen hatte einen Sauerstoffgehalt von neun Milligramm pro Liter gemessen. Für Fische wird es erst ab Sauerstoffkonzentrationen unter einem Milligramm pro Liter kritisch, so die Erfahrungen des AVN. Für den Fischbestand gab es bis dato also keine Gefahr.

Notfallprogramm im Landkreis Celle und bei Neustadt am Rübenberge

In den Wochen davor hat AVN-Biologe Matthias Emmrich mehrere Vereine betreut, sei es durch telefonische Beratung oder Messungen vor Ort. In einem Vereinsgewässer des FV Eversen sank der Sauerstoffgehalt nach wochenlanger Eisbedeckung auf Werte von unter einem Milligramm pro Liter und eine Notatmung von Fischen konnte beobachtet werden – eindeutige Alarmsignale! Daraufhin hat der Verein nach der Beratung mit AVN-Experten Löcher ins Eis gesägt und einen sogenannten „Aquapilz“ zur Verwirbelung des Oberflächenwassers installiert. Mit Erfolg -innerhalb kurzer Zeit haben sich die Sauerstoffwerte erholt. Für einige Fische kam der Einsatz jedoch schon zu spät. So wurden unter dem Eis bereits ein paar tote Hechte geborgen. Die Angler haben jedoch berechtigte Hoffnung, dass nicht der gesamte Fischbestand erstickt ist.

Ein installierter Aquapilz, bewegt oberflächennahes Wasser und fördert so den Gasaustausch. © FV Eversen

Beim AV Mandelsloh im Norden von Hannover kam die Hilfe vermutlich jedoch leider zu spät. Bei einer Vor-Ort-Begehung wurden konnte das Team gerade einmal 0,3 Milligramm pro Liter Sauerstoff messen und sichtete im Eis viele tote Fische. Hier soll eine geplante Fischbestandsuntersuchung im Frühjahr soll das Ausmaß des Fischsterbens beurteilen.

Im Eis verendete Fisch beim AV Mandelsloh. © Matthias Emmrich (AVN)

Hoffnung in der Heide

Auch der Fischereiverein Wietzendorf e.V. hat in seinen Vereinsgewässern über den Winter kontinuierlich Sauerstoff gemessen und stand dabei regemäßig mit Matthias Emmrich in Kontakt. Auch hier sank der Sauerstoffgehalt mit zunehmender Dauer der Eisbedeckung auf bedrohliche Werte ab, sodass der Verein ebenfalls Löcher ins Eis geschnitten und Belüftungstechnik eingesetzt hat – mit Erfolg. An den eisfreien Stellen sammelten sich schnell unzählige Fische und betrieben Notatmung. Die Belüftung hat schnell für Verbesserung gesorgt und vermutlich Schlimmeres verhindert.

Tauwetter wird für Entspannung sorgen

Entwarnung gab es beim ASV Hagenburg. Auch der Verein besitzt viele kleinere, flache und zum Teil sehr nährstoffreiche Gewässern, die potenziell gefährdet sind. Zwar wurde mit 2,6 Milligramm pro Liter keine hohen Sauerstoffwerte gemessen, doch sollten diese für die Fische ausreichend sein. AVN-Biologe Matthias Emmrich gab vorerst Entwarnung. Mit dem jetzt einsetzenden Tauwetter, wird sich die Situation in den meisten Gewässern wahrscheinlich entspannen.

Verhinderung eines Winterfischsterbens ist gleich doppelte Vorsorge

Das AVN-Team ist sich sicher, dass die Vereine mit ihren Maßnahmen ein größeres Fischsterben – jetzt und auch im Frühjahr – verhindert konnten. Denn oft setzt das gesamte Ausmaß der Katastrophe erst nach dem Frost ein: Sterben viele Fische unter dem Eis, werden diese langsam unter Verbrauch von Sauerstoff zersetzt. Der dadurch entstehende Sauerstoffmangel tritt dann mitunter erst Wochen später auf und lässt das Gewässer zeitversetzt „umkippen“.

Gewusst wie…

Die Messlöcher und Atemöffnungen haben die Vereine mit der Motorsäge in die Eisschicht gesägt. Dies ist eine gute Alternative, wenn kein Eisbohrer zur Hand ist oder große Öffnungen benötigt werden. Hammer und Axt hingegen stressen Fische aufgrund der Geräusche und Erschütterungen oft noch zusätzlich. Solche und weitere Tipps sowie Infos zu biologischen Zusammenhängen findet Ihr in unserem „Faktencheck Eiszeit“: